Öl auf 50 Dollar? Goldman Sachs und JPMorgan warnen vor einem „strukturellen Überangebot“ im Jahr 2026 (Investment Guide)
IST DER ENERGIESEKTOR NICHT INVESTIERBAR?
Vor einem solch pessimistischen Hintergrund erfordert das traditionelle „Energiespiel“ – der Kauf von Ölkonzernen für Dividenden und Wachstum – äußerste Vorsicht. Wenn der zugrunde liegende Rohstoff unter die Grenzkosten der Produktion fällt (ca. 50–55 US-Dollar für viele US-Schieferölproduzenten), schwindet der freie Cashflow für diese Unternehmen. JPMorgan-Analysten warnen, dass der „Trump Put“ (staatliche Unterstützung für Energie) wahrscheinlich nicht ausgelöst wird, es sei denn, WTI fällt unter 50 US-Dollar, wodurch eine gefährliche Lücke zwischen den aktuellen Preisen und möglichen Interventionen entsteht.
WO IST DER WERT?
Trotz der düsteren Stimmung weisen die Analysten von MarketBeat und Investing.com darauf hin, dass nicht alle Energieaktien gleich sind. Die Rotation bewegt sich in Richtung:
1. **Erdgas-Pivots**: Unternehmen, die ihren Fokus von Öl auf Erdgas verlagern (wie Expand Energy oder Mach), könnten Schutz bieten, da die Gasnachfrage für KI-Rechenzentren und die Stromerzeugung im Jahr 2026 voraussichtlich steigen wird, selbst wenn die Ölnachfrage nachlässt.
2. **Midstream-Carrier**: Pipeline-Unternehmen, die Gebühren auf der Grundlage des Volumens (nicht des Preises) erheben, übertreffen in Umgebungen mit hohem Angebot häufig ihre Leistung. Wenn die USA Rekordfässer pumpen, sind die Pipelines voll, unabhängig davon, ob der Ölpreis 50 oder 80 US-Dollar beträgt.
3. **Inverse ETFs**: Für aktive Händler könnte 2026 das Jahr des Short sein. Bärische ETFs, die von sinkenden Ölpreisen profitieren, werden zu beliebten Absicherungsinstrumenten für Portfolios, die stark auf traditionelle Energiewerte ausgerichtet sind.
DER GEOPOLITISCHE WILDCARD
Es ist wichtig, das „Aufwärtsrisiko“ anzuerkennen. ING-Analysten stellen fest, dass das Basisszenario zwar bei 57 US-Dollar für Öl liegt, eine deutliche Eskalation im Nahen Osten oder eine völlige Blockade russischer Exporte jedoch dazu führen könnte, dass die Preise über Nacht wieder auf 80 US-Dollar steigen. Diese werden jedoch eher als „Schocks“ denn als Trends angesehen. Die Daten der IEA bleiben der ultimative nüchterne Beweis: Die Welt produziert einfach mehr Öl, als sie braucht.
ABSCHLUSS
Die Botschaft der Daten ist konsistent: Die Lieferengpässe, die die Post-COVID-Ära definierten, sind vorbei. Wir treten in eine Zeit des Überflusses ein. Für den Anleger bedeutet dies, dass das „leichte Geld“ mit Öl vorbei ist. Das Überleben im Jahr 2026 wird von der Erkenntnis abhängen, dass der Trend abwärts geht und die Untergrenze niedriger ist, als die meisten Marktteilnehmer zugeben wollen.
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ÜBER DEN AUTOR
TradeWise-Analystenteam
Das TradeWise-Analystenteam besteht aus ehemaligen institutionellen Prop-Tradern und Risikomanagern und ist auf die Analyse von Marktmechanismen und die Aggregation institutioneller Forschung spezialisiert. Unser Ziel ist es, die Lücke zwischen Daten auf Bankebene und dem Handel im Home-Office zu schließen. Wir bieten keine Finanzberatung, sondern vielmehr den Bildungsrahmen, der zum Verständnis komplexer Marktzyklen erforderlich ist.
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