Risiko-Ertrags-Verhältnis (R:R): Die Mathematik, mit einer Gewinnquote von 40 % profitabel zu sein
Beginnen wir mit der Definition unserer Begriffe.
**R** steht für **Risiko**.
Wenn Sie die 1 %-Regel (Lektion 21) auf einem Konto von 10.000 $ befolgen, beträgt Ihr **1R** **100 $**.
Jeder Trade, den Sie tätigen, hat ein R-Multiple-Ergebnis:
* Wenn Sie Ihren Stop-Loss erreichen, ist das Ergebnis **-1R**.
* Wenn Sie einen Take-Profit erreichen, der dem Doppelten Ihres Risikos entspricht, beträgt das Ergebnis **+2R**.
* Wenn Sie einen Take-Profit erzielen, der dem Fünffachen Ihres Risikos entspricht, beträgt das Ergebnis **+5R**.
**1. DIE GLEICHUNG DES HÄNDLERS**
Die Rentabilität ist eine Funktion zweier Variablen: **Win Rate** und **R:R**.
„Erwartung = (Gewinn % * durchschnittlicher Gewinn) – (Verlust % * durchschnittlicher Verlust)“.
**Szenario A: Der Scalper (hohe Gewinnrate, schlechtes R:R)**
* **Gewinnquote:** 80 % (sehr hoch).
* **R:R:** 0,5:1 (Risiko von 100 $, um 50 $ zu verdienen).
* **10 Trades:**
* 8 Siege x 50 $ = +400 $.
* 2 Verluste x 100 $ = -200 $.
* **Nettogewinn:** +200 $.
* *Die Gefahr:* Ein schlechter Tag, an dem die Disziplin nachlässt und sich ein Verlust in -400 $ verwandelt, macht 10 Trades zunichte. Das ist stressig.
**Szenario B: Der Swingtrader (Niedrige Gewinnrate, hohes R:R)**
* **Gewinnquote:** 40 % (schlägt meistens fehl).
* **R:R:** 3:1 (Risiko von 100 $, um 300 $ zu verdienen).
* **10 Trades:**
* 4 Siege x 300 $ = +1.200 $.
* 6 Verluste x 100 $ = -600 $.
* **Nettogewinn:** +600 $.
**Die Offenbarung:**
Der Swingtrader lag in **60 % der Fälle** falsch, verdiente aber **dreimal mehr Geld** als der Scalper, der in 80 % der Fälle Recht hatte.
Das ist die Stärke asymmetrischer Renditen. Sie müssen nicht schlau sein; Sie müssen nur Ihre Trades so strukturieren, dass die Gewinner davonkommen.
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**2. DIE BREAK-EVEN-MATRIX**
Merken Sie sich diese Zahlen. Sie sagen Ihnen die minimale Gewinnrate, die erforderlich ist, um bei einem bestimmten R:R kein Geld zu verlieren.
* **1:1 R:R** -> Erfordert **50 %** Gewinnrate.
* **1:2 R:R** -> Erfordert **33 %** Gewinnrate.
* **1:3 R:R** -> Erfordert **25 %** Gewinnrate.
* **1:5 R:R** -> Erfordert **17 %** Gewinnrate.
Wenn Sie ein **1:3 R:R** anstreben, können Sie 7 von 10 Trades verlieren und trotzdem Geld verdienen. Dies entlastet Ihre technische Analyse erheblich. Du musst kein Guru sein; Sie müssen lediglich Setups finden, die im Verhältnis zum Risiko ein großes Aufwärtspotenzial bieten.
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**3. Visualisierung von R:R im Diagramm**
Gehen Sie niemals einen Trade ein, ohne vorher das R:R zu messen.
* **Tool:** Verwenden Sie in TradingView das Tool **'Long-Position'** oder **'Short-Position'**.
* **Einrichtung:**
1. Platzieren Sie das Werkzeug auf Ihrem Einstiegspreis.
2. Ziehen Sie den Stopp-Griff an Ihren Invalidierungspunkt (Struktur).
3. Ziehen Sie den Zielgriff zum nächsten logischen Widerstand (Ziel).
* **Lesen Sie die Zahl:** Das Tool zeigt in der Mitte eine Zahl „Risiko-Ertrags-Verhältnis“ an.
**Die goldene Regel:** Wenn die Zahl **unter 2,0** liegt, **NEHMEN SIE DEN HANDEL NICHT AN.**
Warum? Denn wenn Sie im Verhältnis 1:1 oder 1,5:1 handeln, zwingen Sie sich dazu, eine hohe Gewinnquote (60 %+) aufrechtzuerhalten, die im Laufe Ihrer Karriere unglaublich schwer aufrechtzuerhalten ist. Durch die Filterung nach 2:1 oder höher bauen Sie ein statistisches Sicherheitsnetz auf.
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**4. DIE „STATISCHES ZIEL“-FALLE**
Anfänger sagen oft: „Ich werde mir immer ein 1:3-Ziel setzen.“*
Dies ist gefährlich, wenn die Marktstruktur dies nicht unterstützt.
* **Szenario:** Sie kaufen bei 1,1000. Ihr Stop liegt bei 20 Pips (1,0980).
* **Ziel:** Sie wollen 3R (60 Pips). Ziel = 1,1060.
* **Realität:** Es gibt eine massive wöchentliche Widerstandsmauer bei 1,1040.
* **Das Ergebnis:** Der Preis steigt auf 1,1040 (2R), stößt gegen die Wand und kehrt sich bis zu Ihrem Stop-Loss um. Sie haben aus einem Gewinner einen Verlierer gemacht, weil Sie nach einem willkürlichen „3R“ gierig waren.
**Die Lösung: Struktur zuerst, Verhältnis zweitens.**
1. Identifizieren Sie den Stopport basierend auf dem Support.
2. Identifizieren Sie den Zielort anhand des Widerstands.
3. Messen Sie das R:R zwischen ihnen.
4. **Filter:** Ist es > 2R?
* **Ja:** Nehmen Sie den Handel an.
* **Nein:** Überspringen Sie den Handel. (Selbst wenn Sie glauben, dass es steigen wird, rechtfertigt die Rechnung das Risiko nicht).
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**5. DIE PSYCHOLOGIE DES HALTENS (Der schwierige Teil)**
Mathematisch ist R:R einfach. Psychologisch gesehen ist es Folter.
**Der „Vogel in der Hand“-Tendenz:**
Wenn Sie +1R ($100) im Plus sind, schreit Ihr Gehirn: *„Nimm es! Lass es nicht zu einem Verlust werden!“*
Wenn Sie -1R ($100) im Minus haben, schreit Ihr Gehirn: * „Warten Sie! Es könnte zurückkommen!“*
Diese evolutionäre Verkabelung führt dazu, dass Händler die Gewinner unterbieten (bei +1R verkaufen) und die Verlierer laufen lassen (in der Hoffnung auf die Gewinnschwelle). Dadurch wird Ihr R:R auf 0,5:1 umgedreht, was einen Ausfall garantiert.
**So beheben Sie das Problem:**
1. **Einstellen und vergessen:** Sobald TP und SL eingestellt sind, gehen Sie weg. Führen Sie kein Mikromanagement durch.
2. **Teilgewinne:** Wenn die Angst überwältigend ist, schließen Sie 50 % des Handels bei 1:1 oder 1:2 R:R und lassen Sie den Rest bis zum Endziel laufen. Dies sichert „einen gewissen“ Gewinn und hält gleichzeitig den asymmetrischen Aufwärtstrend aufrecht.
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**6. VERBESSERN SIE IHR R:R, OHNE ZIELE ZU ÄNDERN**
Es gibt zwei Möglichkeiten, ein besseres R:R zu erreichen:
1. Zielen Sie auf ein weiteres Ziel (Gierig/Risiko).
2. **Erhalten Sie einen engeren Eintrag (Smart/Patient).**
**Der Limit-Order-Vorteil:**
Anstatt am Markt einzusteigen (z. B. einen Ausbruch zu kaufen), warten Sie auf einen Pullback.
* **Szenario:**
* Ziel ist 100 Pips entfernt.
* Markteintritts-Stop-Loss: 50 Pips. **R:R = 2:1.**
* Limit-Eingabe (50 % Retracement): Stop-Loss beträgt 25 Pips.
* Das Ziel bleibt bei 100 Pips.
* **Neues R:R = 4:1.**
Indem Sie einfach auf einen besseren Preis warten (Geduld), haben Sie Ihr Rentabilitätspotenzial verdoppelt, ohne das Ziel zu ändern.
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**7. DAS GESETZ DER GROSSEN ZAHLEN**
R:R funktioniert nicht auf einer „pro Trade“-Basis. Es funktioniert über eine Reihe von 100 Trades.
Sie könnten 5 Niederlagen hintereinander haben.
(-1R, -1R, -1R, -1R, -1R) = -5R.
Dann treffen Sie zwei 3R-Gewinner.
(+3R, +3R) = +6R.
Plötzlich sind Sie profitabel.
Wenn Sie Ihre Strategie nach der vierten Niederlage aufgeben, weil „sie nicht funktioniert“, gelangen Sie nie zu den Gewinnern, die für die Verlierer bezahlen. Sie müssen der Mathematik vertrauen.
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**ABSCHLUSS**
Hören Sie auf, Ihre Gewinnrate zu steigern. Es ist eine Ego-Metrik. Konzentrieren Sie sich ganz auf Ihr **Risiko-Ertrags-Verhältnis**.
Wenn Sie sich disziplinieren können, nur Trades anzunehmen, die eine klare Rendite von 2:1 oder 3:1 bieten, und Sie die emotionale Stärke haben, diese Trades an ihren Zielen festzuhalten, haben Sie das Rätsel der Rentabilität gelöst. Sie können es sich leisten, falsch zu liegen. Sie können es sich leisten, Fehler zu machen. The math will catch you.
In der nächsten Lektion besprechen wir das Tool, das diese Disziplin durchsetzt: **Stop-Loss-Strategie: Wo man sie platziert (und warum man sie verwenden muss)**.
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