Auswahl eines Brokers: ECN vs. Market Maker (B-Book)
Um einen Broker auszuwählen, müssen Sie dem Geld folgen. Wie wird der Makler bezahlt? Sobald Sie diese Frage beantwortet haben, kennen Sie deren Anreize.
**1. THE MARKET MAKER (Das B-Book-Modell)**
Stellen Sie sich vor, Sie gehen in ein Casino, um Roulette zu spielen. Sie setzen 100 $ auf Rot. Überweist das Casino Ihre 100 $ an eine Zentralbank? Nein. Sie halten es. Wenn Sie gewinnen, bezahlt das Casino Sie aus eigener Tasche. Wenn Sie verlieren, behält das Casino Ihre 100 $.
Dies ist das Modell **Dealing Desk** oder **B-Book**.
* **So funktioniert es:** Wenn Sie EUR/USD kaufen, verkauft der Broker es Ihnen. Sie sind die Gegenpartei. Sie sichern diesen Handel nicht auf dem realen Markt ab.
* **Der Anreiz:** Da laut Statistik die meisten Anfänger verlieren, wartet der Broker einfach ab. Ihr Verlust ist ihr 100-prozentiger Gewinn.
* **Der Konflikt:** Wenn Sie anfangen, regelmäßig zu gewinnen, werden Sie für sie zu einem „giftigen“ Kunden. Unethische B-Book-Broker können sich auf „schmutzige Tricks“ einlassen wie:
* **Stop Hunting:** Spreads werden künstlich ausgeweitet, um Ihren Stop-Loss zu erreichen.
* **Anführungszeichen:** Verhindert, dass Sie bei schnellen Bewegungen eintreten.
* **Slippage:** Dadurch erhalten Sie einen schlechteren Einstiegspreis als angeklickt.
**Ist B-Book immer schlecht?**
Nicht unbedingt. Für Mikrokonten (unter 500 $) ist B-Book oft die einzige Option, da Banken solch kleine Bestellungen nicht annehmen. Seriöse Market Maker arbeiten fair und verlassen sich eher auf die statistische Wahrscheinlichkeit eines Händlerversagens als auf Manipulation. Der Interessenkonflikt besteht jedoch immer.
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**2. DER ECN / STP BROKER (Das A-Book-Modell)**
**ECN** steht für **Electronic Communication Network**. **STP** steht für **Straight Through Processing**.
* **So funktioniert es:** Wenn Sie EUR/USD kaufen, findet der Computer des Brokers sofort einen Verkäufer für Sie auf dem Interbankenmarkt (eine Bank, einen Hedgefonds oder einen anderen Händler). Sie verbinden dich.
* **Der Anreiz:** Der Broker geht kein Risiko ein. Sie verdienen Geld, indem sie Ihnen eine **Provision** (z. B. 7 $ pro Los) oder einen kleinen Aufschlag auf den Spread berechnen. Sie *wollen*, dass Sie profitabel sind. Warum? Denn ein profitabler Händler handelt über Jahre hinweg und generiert dabei stetige Provisionseinnahmen. Ein aufgelöstes Konto zahlt keine Provisionen mehr.
* **Die Ausführung:** Im Allgemeinen schneller, transparent und ohne Interessenkonflikte.
**Hybridmodell:**
Viele große Broker nutzen einen Hybrid. Sie buchen „B-Book“ für die verlierenden Trader (Anfänger) und „A-Book“ für die profitablen Trader (Profis). Dadurch wird das Risiko effektiv verwaltet und gleichzeitig der Gewinn maximiert.
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**3. REGELUNG: Das Stufensystem**
Die schönste Website und die niedrigsten Spreads bedeuten nichts, wenn der Broker die Abwicklung Ihrer Auszahlung verweigert. Regulierung ist Ihre Versicherungspolice.
**Stufe 1 (Der Goldstandard):**
Diese Aufsichtsbehörden setzen strenge Kapitalanforderungen durch, trennen Kundengelder (Ihr Geld wird vom Betriebskapital des Brokers getrennt gehalten) und bieten Entschädigungssysteme für den Fall an, dass der Broker in Konkurs geht.
* **USA:** NFA / CFTC (Extrem streng, geringe Hebelwirkung).
* **Großbritannien:** FCA (Financial Conduct Authority).
* **Australien:** ASIC (Australian Securities and Investments Commission).
**Stufe 2 (fest):**
* **Zypern:** CySEC (beliebt in Europa, im Allgemeinen sicher, aber etwas weniger streng als FCA).
* **Europa:** ESMA-konforme Stellen.
**Stufe 3 (Der Wilde Westen – Offshore):**
* **Standorte:** Cayman Islands, Bahamas, Seychellen, Vanuatu, St. Vincent.
* **Das Risiko:** In diesen Gerichtsbarkeiten ist für die Eröffnung eines Maklerunternehmens häufig nur sehr wenig Papierkram erforderlich. Wenn ein Offshore-Broker mit Ihrem Geld verschwindet, haben Sie keinen Rechtsanspruch.
* **Warum hier handeln?** Sie bieten eine hohe Hebelwirkung (1:500+) und ermöglichen es Ihnen, Steuermeldepflichten zu umgehen (was illegal ist, aber eine häufige Motivation).
**TradeWise-Regel:** Zahlen Sie niemals mehr Geld ein, als Sie sich leisten können, sofort zu verlieren, wenn Sie mit einem Offshore-Broker handeln.
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**4. SPREADS VS. PROVISIONEN (Die Kostenanalyse)**
Was ist günstiger?
* **Broker A (Null Provision):** Spreads im EUR/USD-Durchschnitt **1,5 Pips**.
* Kosten pro Los: 15 $.
* **Broker B (ECN + Kommission):** Spreads im EUR/USD-Durchschnitt **0,1 Pips**. Die Provision beträgt **$7** pro Runde.
* Kosten pro Los: 1 $ (Spread) + 7 $ (Comm) = 8 $.
**Urteil:** Broker B ist fast **50 % günstiger**.
„Zero Commission“ ist ein Marketinggag. Sie zahlen dafür in der breiteren Streuung. Rechne immer nach. Professionelle Händler bevorzugen fast ausschließlich das Provisionsmodell (Raw Spreads), da es eine bessere Transparenz bietet.
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**5. ROTE FLAGGEN: So erkennen Sie einen Betrug**
Vermeiden Sie jeden Broker, der sich auf folgende Verhaltensweisen einlässt:
* **Kaltakquise:** Wenn ein „Senior Account Manager“ Sie anruft und Ihnen Handelstipps gibt, legen Sie auf. Kein seriöser Broker gibt Anlageberatung. Sie versuchen wahrscheinlich, Sie dazu zu bringen, große Positionen zu eröffnen, damit Sie Geld verlieren (B-Book).
* **Einzahlungsboni:** „Zahlen Sie 500 $ ein und erhalten Sie einen Bonus von 500 $!“ Das klingt großartig, aber lesen Sie die Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Normalerweise sperrt der Bonus Ihr *echtes* Geld, bis Sie ein unmögliches Volumen handeln (z. B. 100 Lots). Sie können Ihr eigenes Geld effektiv nicht abheben.
* **Garantierte Rendite:** Jeder Broker, der „risikofreien“ Handel oder einen bestimmten ROI verspricht, ist ein Betrug. Zeitraum.
* **Nur-Krypto-Einzahlungen:** Wenn sie nur Bitcoin und keine Banküberweisungen oder Visa/Mastercard akzeptieren, liegt das daran, dass Krypto-Transaktionen irreversibel sind.
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**6. PLATTFORMEN & WERKZEUGE**
Ein Broker ist auch Ihr Technologieanbieter.
* **MetaTrader 4 (MT4):** Der Industriestandard. Alt, klobig, aber zuverlässig und unterstützt Tausende von benutzerdefinierten Indikatoren (EAs).
* **MetaTrader 5 (MT5):** Die neuere Version, besser für Aktien und Futures, aber etwas andere Programmiersprache.
* **cTrader:** Eine moderne, elegante Plattform, die speziell für den ECN-Handel entwickelt wurde. Von vielen wegen seines intuitiven Designs und der erweiterten Auftragseingabearten bevorzugt.
* **TradingView-Integration:** Bei einigen modernen Brokern können Sie direkt über TradingView-Charts handeln. Dies ist der Goldstandard für die Benutzererfahrung.
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**SCHLUSSFOLGERUNG: Die Checkliste**
Bevor Sie ein Live-Konto eröffnen, führen Sie dieses 5-Punkte-Audit durch:
1. **Regulierung:** Ist es FCA-, ASIC- oder NFA-reguliert? (Überprüfen Sie die Lizenznummer auf der Website der Regulierungsbehörde, nicht nur in der Fußzeile des Brokers.)
2. **Modell:** Handelt es sich um ECN/STP? Bieten sie ein Raw-Spread-Konto an?
3. **Spreads:** Liegt der durchschnittliche EUR/USD-Spread unter 0,2 Pips (zuzüglich Provision)?
4. **Abhebungen:** Suchen Sie bei Google nach „[Name des Brokers] Auszahlungsprobleme“. Wenn Sie aktuelle Beschwerden sehen, führen Sie es aus.
5. **Support:** Öffnen Sie den Live-Chat und stellen Sie eine technische Frage. Wenn sie langsam oder ahnungslos sind, stellen Sie sich vor, wie sie sich verhalten, wenn Ihr Geld feststeckt.
Ihr Makler ist die Grundlage Ihres Unternehmens. Bauen Sie nicht auf billigem, unreguliertem Boden. In der nächsten Lektion öffnen wir endlich die Charts und richten Ihren Arbeitsbereich ein: TradingView vs. MT4.
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