Hebelwirkung und Marge: Das zweischneidige Schwert des Handels
Um Leverage zu verstehen, müssen wir für einen Moment vom Handel Abstand nehmen und uns mit Immobilien befassen. Stellen Sie sich vor, Sie möchten ein Haus im Wert von 500.000 US-Dollar kaufen. Zahlen Sie 500.000 $ in bar? Selten. Sie leisten eine Anzahlung (z. B. 10 % oder 50.000 US-Dollar) und die Bank leiht Ihnen die restlichen 450.000 US-Dollar.
* **Das Haus:** Die Position.
* **Die Einzahlung ($50.000):** Die Marge.
* **Das Darlehen (450.000 USD):** Die Hebelwirkung.
Auch wenn Sie nur 50.000 US-Dollar bezahlt haben, „kontrollieren“ Sie den gesamten Vermögenswert von 500.000 US-Dollar. Wenn der Hauspreis um 10 % auf 550.000 US-Dollar steigt, erzielen Sie einen Gewinn von 50.000 US-Dollar. Das ist eine Rendite von 100 % auf Ihre *Einlage*, auch wenn sich der Vermögenswert nur um 10 % bewegt hat.
Forex funktioniert genauso, aber die Verhältnisse sind viel höher.
**1. WAS IST LEVERAGE?**
Der Hebel wird als Verhältnis ausgedrückt, beispielsweise 1:50, 1:100 oder 1:500. Es bestimmt, wie viel Kapital Sie kontrollieren und wie viel Sie tatsächlich besitzen.
* **Hebel von 1:100:** Für jeden Dollar, den Sie auf Ihrem Konto haben, können Sie 100 Dollar an Bargeld kontrollieren.
* **Die Mathematik:** Wenn Sie ein Standard-Lot (100.000-Dollar-Position) mit einem Hebel von 1:100 eröffnen möchten, teilen Sie einfach die Positionsgröße durch das Hebelverhältnis.
* 100.000 $ / 100 = **1.000 $**.
Das bedeutet, dass Sie nur 1.000 $ auf Ihrem Konto benötigen, um diesen Handel zu eröffnen. Der Broker „leiht“ Ihnen die anderen 99.000 US-Dollar.
**2. WAS IST MARGE?**
Margin ist die **Sicherheit**, die erforderlich ist, um diese Position offen zu halten. Im obigen Beispiel handelt es sich bei den benötigten 1.000 US-Dollar nicht um eine Gebühr. Es wird einfach vom Broker „gesperrt“.
* **Saldo:** Ihr Cash vor Trades.
* **Genutzte Marge:** Der in offenen Geschäften gesperrte Betrag.
* **Freie Margin:** Der verbleibende Betrag, um Verluste auszugleichen oder neue Geschäfte zu eröffnen.
**Formel:** Eigenkapital – genutzte Marge = freie Marge.
Wenn Sie ein Konto im Wert von 5.000 $ haben und das Standard-Lot eröffnen, für das eine Marge von 1.000 $ erforderlich ist:
* Restbetrag: 5.000 $
* Verwendete Marge: 1.000 $
* Kostenlose Marge: 4.000 $
Ihre „freie Marge“ ist Ihre Lebensader. Wenn der Handel zu Ihrem Nachteil verläuft, wird der Verlust von Ihrer freien Marge abgezogen, nicht von der genutzten Marge.
---
**3. DIE DREI ZONEN DER KONTOGESUNDHEIT**
Ihr Handelsterminal (MT4/5, cTrader) zeigt eine kritische Zahl namens **Margin Level %** an. Dies ist die Gesundheitsleiste Ihres Kontos.
**Formel:** (Eigenkapital / genutzte Marge) x 100.
**Zone A: Die sichere Zone (über 500 %)**
Wenn Ihr Margin-Level hoch ist, verfügen Sie im Verhältnis zu Ihren offenen Trades über reichlich freie Marge. Sie sind nicht übermäßig verschuldet. Der Markt kann sich erheblich gegen Sie entwickeln, und Sie werden überleben.
**Zone B: Die Warnzone (100 % – 300 %)**
Hier wird es spannend. Wenn Ihr Margin-Level **100 %** erreicht, bedeutet das, dass Ihr Eigenkapital genau Ihrer verwendeten Marge entspricht. Sie haben **Null freie Marge**.
* Zu diesem Zeitpunkt werden Sie von den meisten Brokern daran gehindert, *neue* Geschäfte zu eröffnen. Du bleibst bei dem, was du hast.
**Zone C: Die Kill Zone (unter 100 %)**
Sobald Sie unter 100 % fallen, befinden Sie sich im „Margin Call“-Bereich. Der Broker beobachtet nun nervös Ihr Konto. Sie verlieren Geld, das Sie faktisch als Sicherheit versprochen haben.
---
**4. THE STOP OUT: GAME OVER**
Makler sind keine Wohltätigkeitsorganisationen. Sie werden niemals zulassen, dass Ihr Konto negativ wird (wenn Sie ihnen Geld schulden), wenn sie Abhilfe schaffen können. Um dies zu verhindern, verfügen sie über einen automatisierten Liquidationslevel namens **Stop Out**.
Bei den meisten Einzelhandelsmaklern beträgt das Stop-Out-Niveau **50 % Margin-Niveau**.
**Das Szenario:**
1. Sie haben 1.000 $.
2. Sie eröffnen leichtfertig eine Position, die eine Marge von 800 $ erfordert.
3. Freie Marge = 200 $.
4. Der Handel geht sofort zu Ihren Ungunsten. Sie verlieren 150 $.
5. Das Eigenkapital beträgt jetzt 850 $. Die genutzte Marge beträgt immer noch 800 $. Du bist nah am Rande.
6. Der Markt fällt weiter. Ihr Eigenkapital sinkt auf **400 $**.
**Die Berechnung:**
(Eigenkapital 400 $ / verwendete Margin 800 $) x 100 = **50 % Margin-Level**.
**Die Hinrichtung:**
Genau in dieser Millisekunde löst der Computer des Brokers den Stop Out aus. Es erzwingt die Schließung Ihres Handels zum aktuellen Marktpreis, um die Marge freizugeben. Ihnen bleiben die verbleibenden 400 $ übrig.
Händler schreien oft: „Mein Stop-Loss wurde nicht erreicht! Warum wurde er geschlossen?“
Es wurde geschlossen, weil Ihnen der Spielraum ausgegangen ist. Sie haben den Handel erstickt.
---
**5. DIE PSYCHOLOGIE DES HOHEN HEBELS**
Viele Offshore-Broker bieten einen Hebel von **1:500** oder sogar **1:1000** an. Sie vermarkten dies als Vorteil: „Beginnen Sie den Handel mit nur 10 $!“
**Das ist eine Falle.**
Vergleichen wir die Hebelwirkung von 1:30 (reguliert) mit der Hebelwirkung von 1:500 (ungeregelt).
* **Szenario:** Sie haben 1.000 $ und möchten 1 Standard-Lot (100.000 $) kaufen.
* **Mit Hebelwirkung von 1:30:** Erforderliche Marge = 3.333 $. Sie können den Handel buchstäblich *nicht* eröffnen. Das System schützt Sie vor Ihrer eigenen Dummheit. Du hast nicht genug Geld.
* **Mit Hebelwirkung von 1:500:** Erforderliche Marge = 200 $. Das System ermöglicht Ihnen die Eröffnung des Handels. Sie haben eine freie Marge von 800 $.
Sie eröffnen also den Handel.
Der Preis bewegt sich um 10 Pips zu Ihrem Nachteil.
1 Standard-Lot = 10 $ pro Pip.
Verlust = 100 $.
Der Preis bewegt sich um weitere 50 Pips gegen Sie (eine normale tägliche Bewegung).
Verlust = 600 $.
Ihr Eigenkapital beträgt jetzt 300 $. Sie nähern sich Stop Out.
Dank der hohen Hebelwirkung können Sie Positionen eröffnen, die mathematisch zu groß sind, als dass Ihr Konto die normale Marktvolatilität aufrechterhalten könnte. Es gibt Ihnen ein Maschinengewehr, wenn Sie nicht gelernt haben, eine Wasserpistole zu benutzen.
---
**6. PROFESSIONELLES LEVERAGE-MANAGEMENT**
Ist Hebelwirkung also böse? Nein. Es ist ein Werkzeug.
Institutionelle Händler nutzen Hebelwirkung, um Kapital effizient zu nutzen. Wenn ich 1.000.000 US-Dollar habe, möchte ich nicht, dass alles auf meinem Brokerkonto ungenutzt bleibt. Ich könnte 100.000 US-Dollar auf dem Konto behalten und einen Hebel von 1:10 verwenden, um Positionen im Wert von 1.000.000 US-Dollar zu kontrollieren, während die anderen 900.000 US-Dollar in einer Staatsanleihe liegen und risikofreie Zinsen verdienen.
**Echter Hebel vs. maximaler Hebel**
* **Maximaler Hebel:** Was der Broker anbietet (z. B. 1:500). Das ist Ihr Potenzial.
* **Echte Hebelwirkung:** Was Sie tatsächlich nutzen.
Wenn Sie 10.000 $ haben und ein 1,00-Lot (Wert von 100.000 $) eröffnen, beträgt Ihr **echter Hebel** 10:1 (100.000 $ / 10.000 $).
Bei TradeWise empfehlen wir als Anfänger, den **10:1 Real Leverage** niemals zu überschreiten. Das heißt, wenn Sie 1.000 $ haben, sollten Ihre gesamten offenen Positionen niemals 10.000 $ (0,10 Lots) überschreiten.
---
**ABSCHLUSS**
Hebelwirkung ist das zweischneidige Schwert, das in beide Richtungen schneidet. Richtig eingesetzt beschleunigt es die Vermögensbildung. Bei falscher Anwendung ist der Bankrott garantiert.
Wenn Sie einen Broker sehen, der eine Hebelwirkung von 1:1000 anbietet, denken Sie nicht „Wow, sehen Sie sich die Leistung an.“ Denken Sie: „Wow, schauen Sie sich das Seil an, das sie mir geben, damit ich mich aufhängen kann.“
Überwachen Sie immer Ihr Margin-Level. Wenn er unter 300 % fällt, liegt eine Überschuldung vor. Sinkt er unter 100 %, besteht akute Gefahr. In der nächsten Lektion besprechen wir die Transaktionskosten, die Ihre Marge stillschweigend schmälern: Bid, Ask und Spread.
Found this helpful?
Help your trading friends by sharing this guide.