Einrichten Ihrer Diagramme: Ein Leitfaden für TradingView und MT4/5
Bevor wir auf eine einzelne Schaltfläche klicken, müssen wir die Philosophie des Arbeitsbereichs definieren. Professionelle Händler behandeln ihre Bildschirme wie einen Operationssaal: steril, organisiert und auf den Patienten ausgerichtet (Price Action).
**1. DIE GROSSE Kluft: ANALYSE VS. AUSFÜHRUNG**
Warum nutzen wir zwei unterschiedliche Plattformen?
* **TradingView (Die Karte):** Dies ist eine cloudbasierte Software mit schöner Grafik. Damit können Sie Trendlinien zeichnen, Notizen schreiben und mehrere Zeitrahmen nahtlos analysieren. Es ist Ihr „War Room“.
* **MetaTrader 4/5 (The Trigger):** Das ist eine alte, klobige Software aus dem Jahr 2005. Die Diagramme sind hässlich. Aber... es stellt mit minimaler Latenz eine direkte Verbindung zum Interbankenmarkt her. Es ist Ihre „Waffe“.
**Das Protokoll:** Sie erledigen Ihre gesamten Gedanken über TradingView. Sobald Sie eine Entscheidung getroffen haben (Einstieg, Stop-Loss, Take-Profit), öffnen Sie MetaTrader, um einfach die Zahlen einzugeben. Diese physische Trennung verhindert ein „impulsives Klicken“, bei dem Sie auf einen tickenden Preis auf MT4 starren und auf „Kaufen“ klicken, nur weil er sich schnell bewegt.
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**2. EINRICHTEN VON TRADINGVIEW (The War Room)**
Gehen Sie zu TradingView.com und erstellen Sie ein kostenloses Konto (oder ein Pro-Konto, wenn Sie mehr Daten benötigen). Befolgen Sie diese Konfigurationsschritte:
**A. Die Zeitzone (KRITISCH)**
Standardmäßig ist TradingView möglicherweise auf Ihre Ortszeit eingestellt (z. B. London, Tokio). Das müssen Sie ändern.
* **Aktion:** Unten rechts > Klicken Sie auf die Zeitzone > Wählen Sie **(UTC-5) New York**.
* **Warum?** Der Forex-Markttag endet technisch gesehen um 17:00 Uhr New Yorker Zeit. Wenn Ihre Charts auf Londoner Zeit eingestellt sind, schließt Ihre „Tageskerze“ zu einem zufälligen Zeitpunkt (z. B. Mitternacht London), wodurch Sie eine andere Kerzenform haben als der Rest der institutionellen Welt. Sie müssen dieselben Daten sehen, die auch die Banken sehen.
**B. Das Farbschema (Psychologie)**
Standardmäßige grüne (oben) und rote (unten) Kerzen sollen Gier und Angst auslösen. Rot bedeutet „Gefahr/Verlust“, Grün bedeutet „Geld/Gehen“.
* **Die Lösung:** Ändern Sie Ihre Kerzen in neutralen Farben.
* *Bullenkerze:* Weiß, Grau oder Blau.
* *Bärenkerze:* Schwarz oder Dunkelgrau.
* *Hintergrund:* Dunkelgrau oder Hellgrau (Vermeiden Sie reines Weiß, da es bei langen Sitzungen zu einer Belastung der Augen führt).
* **Ergebnis:** Ein roter Tropfen sieht weniger gruselig aus, wenn es nur ein schwarzer Balken ist. Sie bleiben objektiv.
**C. Das Durcheinander beseitigen**
* **Rechtsklick > Einstellungen > Darstellung:** Deaktivieren Sie „Vertikale Rasterlinien“ und „Horizontale Rasterlinien“. Machen Sie den Hintergrund einfarbig.
* **Warum?** Gitterlinien fügen visuelles Rauschen hinzu. Sie brauchen kein Raster, um zu sehen, wie der Preis steigt. Sie brauchen Freiraum zum Nachdenken.
**D. Die Beobachtungsliste**
Werfen Sie nicht 50 Paare in eine Liste. Abschnitte erstellen:
* **Hauptwährungen:** EURUSD, GBPUSD, USDJPY, USDCAD, AUDUSD, USDCHF, NZDUSD.
* **Kreuzungen:** EURGBP, GBPJPY, EURJPY usw.
* **Rohstoffe/Indizes:** XAUUSD (Gold), US30 (Dow), US500 (S&P).
* **Markierung:** Verwenden Sie die Funktion „Rote Flagge“, um Paare zu markieren, die Sie heute aktiv im Hinblick auf ein Setup beobachten. Ignoriere den Rest.
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**3. EINRICHTEN VON METATRADER 4/5 (Das Ausführungsterminal)**
Wenn Sie MT4/5 von Ihrem Broker herunterladen, sieht es schrecklich aus. Es hat normalerweise ein hellgrünes Gitter auf schwarzem Hintergrund und ist standardmäßig auf „Balkendiagramme“ eingestellt.
**Schritt 1: Das Aufräumen**
* Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf Diagramm > **Eigenschaften (F8)**.
* **Allgemeine Registerkarte:** Wählen Sie „Kerzen“. Aktivieren Sie „Ask Line anzeigen“ (wichtig für Spreads). Deaktivieren Sie „Raster anzeigen“. Deaktivieren Sie „Punkttrennzeichen anzeigen“ (optional).
* **Registerkarte „Farben“:** Replizieren Sie Ihr TradingView-Schema (z. B. Schwarz auf Weiß).
**Schritt 2: Vorlage erstellen**
* Sobald das Diagramm sauber aussieht, klicken Sie mit der rechten Maustaste auf > Vorlage > **Vorlage speichern**. Nennen Sie es „CleanChart“.
* Jetzt können Sie dies sofort auf jedes neue Diagramm anwenden.
**Schritt 3: Marktbeobachtung**
* Ansicht > **Marktbeobachtung (Strg+M)**.
* Klicken Sie mit der rechten Maustaste in die Marktübersicht > **Alle anzeigen**. (Dadurch wird sichergestellt, dass Sie jedes Paar sehen, das Ihr Broker anbietet).
* *Warnung:* Lassen Sie dieses Fenster während der Analyse nicht geöffnet. Es lenkt Sie durch blinkende Zahlen ab.
**Schritt 4: One-Click-Trading (Der Sicherheitscheck)**
* Standardmäßig verfügt MT4 über ein „One-Click-Trading“-Panel im Diagramm.
* **Ausblenden.** (Rechtsklick > One-Click-Trading deaktivieren).
* **Warum?** Es ist zu leicht, beim Ziehen eines Diagramms versehentlich darauf zu klicken. Darüber hinaus wird standardmäßig eine bestimmte Losgröße verwendet. Wenn Sie bei einem Demo-Handel den Wert „10,0“ belassen haben und versehentlich auf einem Live-Konto darauf geklickt haben, sind Sie in Schwierigkeiten. Öffnen Sie immer das vollständige Fenster „Neue Bestellung“, um Ihre Berechnung zu bestätigen.
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**4. INDIKATOREN: Die Zweierregel**
Anfängerdiagramme sehen aus wie Spaghetti. Sie haben drei gleitende Durchschnitte, Bollinger-Bänder, einen parabolischen SAR sowie einen MACD und einen RSI unten.
**Das Problem:** Indikatoren sind „hinkend“. Sie sagen Ihnen nur, was der Preis bewirkt hat, nicht, was er bewirken wird. Darüber hinaus widersprechen sie sich oft. Der RSI sagt „Verkaufen“ (überkauft), aber der gleitende Durchschnitt sagt „Kaufen“ (Aufwärtstrend). Was machst du? Du erstarrst.
**Die Berufsregel:**
Beschränken Sie sich auf **maximal zwei** Anzeigen auf Ihrem Bildschirm.
* *Beispiel:* Ein gleitender Durchschnitt (z. B. 50 EMA) für die Trendrichtung und möglicherweise ein Oszillator (RSI) für die Divergenz.
* **Besser noch:** Lernen Sie „Naked Trading“ (reine Preisaktion). Die Kerzen selbst verraten Ihnen alles über Schwung und Ablehnung. Wir werden dies in Serie 2 (Technische Analyse) behandeln.
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**5. MEHRZEITRAHMEN-LAYOUT**
Auf TradingView Pro können Sie Ihren Bildschirm teilen. Wenn Sie die kostenlose Version haben, verwenden Sie Browser-Registerkarten.
**Das Hierarchielayout:**
1. **Linker Bildschirm:** Täglicher Zeitrahmen (Das große Ganze). Ist der Trend steigend oder fallend?
2. **Rechter Bildschirm:** 1-stündiger Zeitrahmen (Eintrittsbereich). Wo ist das spezifische Muster?
Geben Sie niemals einen Trade auf dem 1-Stunden-Chart ein, ohne vorher den Tages-Chart zu prüfen. Dies wird als „Top-Down-Analyse“ bezeichnet.
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**6. ALARMIERUNG (Einstellen und Vergessen)**
Der größte Vorteil von TradingView sind serverseitige Benachrichtigungen.
* **Szenario:** Der Preis liegt bei 1,0500. Sie möchten beim Widerstand bei 1,0550 verkaufen.
* **Amateur:** Starrt 4 Stunden lang auf den Bildschirm und wartet.
* **Professionell:** Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf 1.0550 > **Benachrichtigung hinzufügen**. Dann geht er weg, um Golf zu spielen oder ein Buch zu lesen.
* Wenn die Warnung ausgelöst wird (per E-Mail oder Telefon-App-Push-Benachrichtigung), DANN gehen Sie zum Computer, öffnen MT4 und führen es aus.
Dadurch wird der Handel von einem „zeitintensiven“ Job zu einem „entscheidungsintensiven“ Job.
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**ABSCHLUSS**
Ihre Diagramme spiegeln Ihren Geist wider. Wenn Ihre Diagramme chaotisch sind, werden auch Ihre Handelsergebnisse chaotisch sein. Wenn Ihre Diagramme sauber, strukturiert und durchdacht sind, werden Ihre Ergebnisse diesem Beispiel folgen.
Nehmen Sie sich noch heute die Zeit, Ihre Vorlagen zu erstellen. Rette sie. Machen Sie Ihre TradingView-Umgebung zu einem Ort der ruhigen Konzentration. Sie werden nicht stundenweise bezahlt; Sie werden durch die Qualität Ihrer Entscheidungen bezahlt. Ein sauberes Cockpit führt zu einer sicheren Landung.
In der letzten Lektion dieser Grundlagenreihe werden wir alles zusammenführen – Analyse, Pips, Lots und Ordertypen – und die Ausführung **Ihres ersten Trades** von Anfang bis Ende durchgehen.
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